Kleingärtnerverein Hafenwiese e.V. als Teil des Projektes „Wir:ECHT NORDSTADT“ in 2014

Das Projekt wird aus dem Programm Soziale Stadt NRW – Dortmund Nordstadt, aus Mitteln der EU, des Bundes, des Landes NRW und der Stadt Dortmund (Stadterneuerung) gefördert. Herausgeber des Bildbandes ist die Stadtteil-Schule Dortmund e.V., Oesterholzstr. 12, 44145 Dortmund www.stadtteil-schule.de.

FOTOS: Präsentation der Bilder auf der Ausstellungsinsel am Phönixsee.
© 2014 K.-H. Reinelt

Der Bildband mit 106 Gruppenporträts ist das Ergebnis der Projektarbeit „Wir:ECHT NORDSTADT“, in der es um weit mehr ging als um die Produktion eines Druckwerkes. Ziel des Projektes ist es, den Blick auf einen Stadtteil positiv zu verändern, der für die gesamte Stadt wichtige Leistungen erbringt und in dem Großartiges geleistet wird. Fast 55.000 Bewohner leben in der Dortmunder Nordstadt. Ihre Wurzeln reichen in rund 130 unterschiedliche Herkunftsländer. Der Stadtteil ist der einzige, der einer ansonsten negativen demografischen Entwicklung trotzt: Hier werden mehr Kinder geboren als Menschen sterben. In den Betrieben gibt es 23.000 Arbeitsplätze. In 106 Gruppenporträts zeigen rund 2.500 Menschen ihr sympathisches Gesicht.

Porträtiert wurden sie jeweils in einer Gruppe Gleichgesinnter, mit denen sie sich gemeinsam engagieren, zusammen arbeiten, lernen oder ihre Freizeit verbringen. Die Fotos aus dem Bildband entstanden an den Orten, wo die Gruppen sich regelmäßig treffen: in Vereinsheimen, Geschäften, Betrieben, Ateliers, Gotteshäusern, Theatern, Parks oder Schulen. Jede Gruppe wird als Teil einer Gesamtheit dargestellt.

Eine Gruppe von den 106 sind Gartenfreundinnen und Gartenfreunde aus dem Kleingärtnerverein Hafenwiese. Das Foto von Klaus Hartmann entstand, als sie sich am Ostersamstag zu einem gemütlichen Beisammensein beim Osterfeuer trafen. Der anschließende Text zu dem Foto stammt von Claudia Behlau-Blumhoff/Irmine Skelnik und wurde dem Bildband entnommen.

Ingo Mertens, Schriftführer KGV Hafenwiese e.V.

„Ein Kleingarten ist wie Urlaub.“
Foto: Klaus Hartmann

In den Schrebergärten ist mittlerweile sogar das Gemüse multinational

Es riecht intensiv nach Flieder. Nach frisch geschnittenem Gras. Und nach Grillfleisch. Direkt an der stark befahrenen Schützenstraße liegt eine 77.000 Quadratmeter große Oase: der 1930 gegründete Kleingärtnerverein Hafenwiese e.V. „Wir sind von den 118 Kleingärtnervereinen in Dortmund der mitgliederstärkste“, sagt Vorsitzender Thomas Scherer stolz. 346 Männer und Frauen werkeln ständig in ihren Schrebergärten, pflanzen Kartoffeln an, beschneiden Obstbäume oder ernten Tomaten.

26 Prozent der Kleingärtner haben einen Migrationshintergrund. „Wir haben Mitglieder aus 17 Nationen – von Thailand bis zum Irak“, sagt Scherer. Die unterschiedlichen Ansichten zur Gartengestaltung können schon mal zu kleinen Reibereien führen. „Und leider beteiligen sich unsere ausländischen Freunde kaum an unseren Festen“, sagt Scherer. Sein Gartenkollege Karlheinz Reinelt hat dafür eine pragmatische Erklärung: „Das liegt wahrscheinlich am gegrillten Schweinefleisch“. Zudem erschweren manchmal Sprachprobleme die Kommunikation.

Dennoch werden bei der Vergabe der frei werdenden Gärten neue Mitglieder mit Migrationshintergrund – und mit Kindern – besonders gerne berücksichtigt. „Sie sind eine Bereicherung“, sagt Thomas Scherer – und er meint nicht nur die kulturelle Vielfalt. „Sie sorgen für Abwechslung in unseren Gärten. Bei uns wird mittlerweile Gemüse angebaut, das wir vorher gar nicht kannten. Da wird auch gerne getauscht“. Begehrt ist derzeit eine Tomate ohne Braunfäule, die ein russischer Gartennachbar angepflanzt hat. Und Karlheinz Reinelt schwärmt von den sizilianischen Langzucchinis eines italienischen Kleingärtners.

Die meisten Kleingärtner kommen aus der Umgebung; das ist so gewollt vom Verein, der in seinen Anfängen vor allem den Arbeitern von Hoesch offen stand. Mittlerweile darf sich jeder Dortmunder aus der Nordstadt bewerben. Doch viele kommen erst im Rentenalter. „Sie glauben, dass sie vorher keine Zeit haben. Und dann sagen sie: warum habe ich mir nicht früher einen Garten genommen?“, sagt Gartenfreund Peter Gerhardt. Für die meisten Mitglieder ist die Gartenarbeit ein leidenschaftliches Hobby. Viele genießen es, unter freiem Himmel sitzen zu können.  Wieder andere lieben die Geselligkeit in der Frauen- oder Bastelgruppe, beim Sommer- und Erntedankfest oder bei der Nikolausfeier, an der zur Freude des Vereinsvorstandes auch viele muslimische Kinder teilnehmen.

„Ein Kleingarten ist wie Urlaub. Andere müssen für dieses Erlebnis erst nach Holland oder Spanien fahren“, sagt Thomas Scherer. Etwa ein Drittel der Kleingärtner verzichtet auf dieses Erlebnis deshalb auch nicht im Winter, genießt den Kaffee und die Zeitung dann eben in der Laube.

Und was heißt überhaupt Kleingärtner? Denn klein ist hier wirklich nichts. „Wir haben hier mehr Natur als auf dem Land, wo es oft nur noch gespritzte Nutzflächen gibt“, betont Karlheinz Reinelt. Diese vielfältige Natur, darunter auch viele Tiere, dieses grüne Paradies gelte es zu erhalten. Und außerdem gehe doch nichts über den Geruch einer frisch geernteten Kartoffel, sagt Gartenfreundin Gaby Bökamp.

Claudia Behlau

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.