Chronik der Schießgruppe

75-Jahre Schießgruppe Hafenwiese
Vereinschronik von 1933 – 2008

Festabend am 20. September 2008 im Saal des Vereinsheims
Schießgruppe Hafenwiese

– gegründet 1933 –
im Kleingärtnerverein Hafenwiese e.B.


Dortmund, im September 2008

Chronik der Schießgruppe Hafenwiese.

1. Die Gruppe

Der Jubilar, den es heute zu feiern gilt, erreicht das stattliche Alter von 75 Jahren. Im Gründungsjahr 1933 hatten einige Kleingärtner in der Kleingartenanlage Hafenwiese, allen voran Georg Thienenkamp und der damalige 1. Vorsitzende der Kleingartenanlage Hafenwiese Herr Pötter, die Idee in der Freizeit mit dem Luftgewehr auf Scheiben zu schießen. Der Gedanke war da; die Initiative wurde ergriffen und die Schießgruppe Hafenwiese gegründet. Zu den ersten Mitgliedern zählten u.a. Paul Boch, Robert Dost, Gustav Huneck, Willi Mietenkorte, Otto Rautenberg, Walter Siebert. Geschossen wurde im Saal des damaligen Vereinsheims, in einer mit Tischen abgeteilten Ecke. Geschossen wurde auf eine Entfernung von 6 m mit Luftgewehren und Bolzen.

In den folgenden Jahren fanden diese Idee auch Kleingärtner in anderen Kleingartenanlagen gut und gründeten ebenfalls Schießgruppen. In dieser Zeit entstanden die Schießgruppen Do.- Nord, Schwarzer Kamp und Frohes Schaffen. Jetzt wurde an den Wochenenden, meistens sonntags, untereinander Wettkämpfe ausgetragen. Dann ging es mit Kind und Kegel zu Fuß zu den anderen Kleingartenanlagen. Diese Wettkämpfe mussten organisiert werden und die „Schießsportgemeinschaft im Stadtverband der Dortmunder Kleingärtner“ wurde 1936 geboren. Es entwickelte sich eine Gemeinschaft, bei der, neben dem Schießsport, Geselligkeit und Kameradschaft an oberster Stelle standen. Unsere Schießgruppe hat leider keine Dokumente mehr aus dieser Zeit. Die einzige Erinnerung ist ein Pokal, den die Schießgruppe Hafenwiese 1940 gewonnen hat.

So lange der Krieg es zuließ, (bis ca. 1941) wurden noch die Wettkämpfe weiter durchgeführt. Als durch die Großangriffe auf Dortmund die Vereinsheime zerstört waren und die Familien evakuiert wurden, musste der Schießsport eingestellt werden.

Nach dem Krieg, bis ca. 1947/48 war auch das Schießen mit dem Luftgewehr verboten. Als dieses Verbot von den Siegermächten aufgehoben wurde, wurde wieder geschossen. Auch gegen den Widerstand des damaligen Vorsitzenden des Kleingartenvereins sammelten sich die Mitglieder der Schießgruppe ab ca. 1948 wieder, um mit Luftgewehren zu schießen. Es waren noch die alten Gewehre, die zum Ende des Krieges in Bombentrichtern versteckt, die Zeit überstanden haben. Die Reichweite war gering und die Entfernung vom Schützen zum Ziel betrug wie früher 6 m. Neben dem Spaß am Schießen lebten Geselligkeit, die Freundschaften und der Gemeinschaftssinn wieder auf. Die Schießgruppe Hafenwiese wurde größer. Um das Jahr 1950 zählte die Schießgruppe ca. 100 Mitglieder. Da stellte sich die Frage nach einem geeigneten Schießstand. Der Kleingartenverein gab seine Zustimmung, dass die Schießgruppe entlang der nördlichen Stirnseite des Vereinsheimes einen eigenen Stand auf eigene Kosten bauen durfte.

In der Zwischenzeit gab es auch wieder Luftgewehre und die Distanz von 6 m war zu kurz. Es gab in den Kleingartenvereinen noch keine neuen Schießstände und somit auch keine Erfahrungswerte, auf die man aufbauen konnte. Fest stand: >Beim Deutschen Schützenbund und auch international war eine Distanz von 10 m vorgeschrieben.< Die konnte in einigen Kleingartenvereinen nicht eingehalten werden. Also einigte man sich 1950 auf 8 m.

Bis 1951 wurden auch die Wettkämpfe mit Bolzen durchgeführt. Erst danach mit Kugeln, auf 8 m Distanz und 12er Scheiben.

Jetzt ging es mit der Schießgruppe aufwärts. Der eigene Schießstand wurde 1951 fertig gestellt. Damit war es wieder möglich die Wettkämpfe gegen andere Schießgruppen im Stadtverband auf unserem eigenen Schießstand auszutragen.

Durch das Alter und die Arbeit in der Schwerindustrie konnten viele das Gewehr für einen sicheren Schuss nicht mehr ruhig genug halten. Da die Freude am Schießsport aber erhalten bleiben sollte, erlaubte man ab 1953 den Senioren „im Sitzen“ zu schießen. Diese Regelung wurde dann ab 1956 als „Standard“ eingeführt und hat bis heute Bestand.

Waren die Gründer der Schießgruppe Hafenwiese alle Gartenpächter und deren Angehörige, so kamen in den Jahren nach 1951 auch „Nichtgärtner“ zu uns und haben heute einen festen Platz in der Gruppe. Was noch heute zählt ist neben der Freude am Schießsport die Geselligkeit, Freundschaft, Kameradschaft und Hilfsbereitschaft untereinander.

Ist auch das Schießen in unserer Schießgruppe wichtig, so darf die Geselligkeit nicht zu kurz kommen. Schon kurz nachdem der eigene Schießstand fertig war, wurde in jedem Jahr ein Ausflug, an dem die ganze Familie teilnahm, durchgeführt. Wegen der großen Teilnehmerzahl mussten 2 Busse fahren oder der Bus hatte einen Anhänger, damit alle mitfahren konnten. Der Getränkelieferant des Kleingartenvereins, Günter Dickmann, begleitete den Ausflug mit seinem Getränkewagen, so dass für Nachschub gesorgt war. Der Ausflug ist eine Tradition, an der bis auf den heutigen Tag festgehalten wird. Im Sommer wird dann im Garten eines Schießfreundes ein Sommerfest gefeiert. Das ist in den letzten Jahren zur Gewohnheit geworden. Auch hier sind die Angehörigen dabei. Mit der Jahresabschlussfeier stimmen wir uns auf die Adventszeit ein. Das Weihnachtschießen wird ebenfalls mit einem gemütlichen Abend beendet.

2. Die Personen

Schießgruppe Hafenwiese - 1939

Aus den Gründungstagen
der Schießgruppe Hafenwiese – 1939

1933 wurde die Schießgruppe Hafenwiese gegründet. Von den Gründern liegt leider das erste Foto aus dem Jahr 1939 vor.

Die Gruppe wählte damals aus ihrer Mitte Georg Thienenkamp als Vorsitzenden. Unter seiner Leitung wuchs die Gruppe schnell an. Nach dem Neubau des Schießstandes schaffte er es , dass zeitweise mehr als 100 Mitglieder eingetragen waren. Georg Thienenkamp hatte den Vorsitz von 1933 bis 1979. Sein Nachfolger, Werner Heerbrand, führte die Schießgruppe Hafenwiese von 1979 bis 1983. Seit Januar 1983 ist Hans-Georg Bärhold der 1. Vorsitzende der Schießgruppe Hafenwiese.

3. Die Erfolge

Der älteste Pokal ist der Hirsch aus dem Jahre 1940. Er trägt die Inschrift: Wanderpreis der Kleingärtner-Vereine

Wanderpreis der Kleingärtner-Vereine

Wanderpreis der Kleingärtner-Vereine
gestiftet von der Stadtgruppe
Sieger Hafenwiese 1940

Nach dem Krieg ging es dann 1951 weiter. Hier hat die Schießgruppe Hafenwiese wieder einen Hirschkopf als Wanderpreis gewonnen. Er trägt die Inschrift: Wanderpreis der Kleingarten Schießgemeinschaft im Stadtverband Dortmund

Wanderpreis der Kleingärtner-Vereine ©2007 Bärhold

Wanderpreis der Kleingarten Schießgemeinschaft im Stadtverband Dortmund
Schießgruppe Hafenwiese 1954, 1955, 1956
Schießgruppe Schw. Kamp 1953
Schießgruppe Fr. Schaffen Schießgruppe
Flora Nord Schießgruppe Hansa
Schießgruppe Westerholt

Im Laufe der Jahre kamen dann in der Schießsportgemeinschaft Siege und Platzierungen. So hat die Schießgruppe Hafenwiese den Pokal der Schießsportgemeinschaft zuletzt in den Jahren 2005, 2006 und 2007 gewonnen. Somit geht der Siegerpokal in ihr Eigentum über. Ebenfalls konnten von der Schießgruppe Hafenwiese in den letzten Jahren der 1., 2., und auch der 3. Stadtverbandsmeister gestellt werden.

Von den sportlichen Erfolgen der Schießgruppe Hafenwiese zeugen die im Aufenthaltsraum zu sehenden Pokale und Urkunden.

Innerhalb der Gruppe wird seit 1951 in jedem Jahr der Vereinsmeister ausgeschossen und über das Jahr ermittelt.

In den Jahren von 1982 bis 1989 wurden noch ein Damenpokal und ein Jugendpokal ausgeschossen.

Um bei den älteren Schießfreunden die Spannung des Pokalschießens beizubehalten, gibt es seit Ende der 1970iger Jahre den „Altherren-“ bzw. den „Seniorenpokal“. Auch hier läuft die Wertung über das ganze Jahr.

Dient die Vereinsmeisterschaft dazu die eigene Treffsicherheit zu zeigen, so ist bei anderen Gelegenheiten neben dem Können auch das Glück wichtig. Denken wir an die verschiedenen Anlässe bei denen die Glücksgöttin Fortuna das Ergebnis mit beeinflusst. Den Sieger des Osterschießens ermitteln wir durch das Schießen auf unser Kegelspiel. Am Vatertag kommt die Luftpistole zum Einsatz und bei dem Weihnachtschießen stehen wir und legen das Gewehr auf einen Ständer auf.

Auch das Preisschießen ist eine Fortsetzung der Tradition aus der Nachkriegszeit. Kamen nach dem Krieg Haushaltsgegenstände zur Preisverteilung, so waren es in den 50iger Jahren lebende Hühner und Gänse, später dann geschlachtete Kleintiere. Die hohe Mitgliederzahl zeigt doch, mit welcher Begeisterung die Mitglieder der Schießgruppe bei der Sache waren.

In der Hoffnung, dass die Schießgruppe Hafenwiese noch viele Jahre als Anlaufpunkt für den Schießsport, die Geselligkeit und die Freundschaft dient, wünsche ich uns ALLES GUTE und GUT SCHUSS

Hans-Georg Bärhold

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Schießfreunde, die mir bei dem Sammeln der Daten und Fakten behilflich waren. Besonders bedanken möchte ich mich bei Jürgen Thienenkamp, der mir durch sein Wissen aus 1. Hand sehr viel berichtet hat.

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